Screening#1                                                          

 


Collectif-fact \ Nathalie Djurberg \ Erica Eyres \ Sofia Hultén \ Jesper Just
Dionisis Kavallieratos \ Alex McQuilkin \ Nasan Tur \ Johannes Wende

9. September - 15. Oktober 2005
Vernissage Freitag, 9. September 2005, ab 18 Uhr
 

Frankfurt am Main, August 2005 - Videokunst erfährt erneut besondere Aufmerksamkeit. Ob auf internationalen Messen - sogar eigens für dieses Medium veranstalteten -, in Museumsausstellungen, in Galerien und Sammlungen, überall finden sich spannende Arbeiten junger Künstler, die sich dem Video und dem Film verschrieben haben.

Einige der interessantesten und vielversprechendsten internationalen Positionen, die wir jüngsten Zeit entdeckt haben, werden wir in der Ausstellung „screening #1“ vom 9. September bis 15. Oktober 2005 zeigen. Hinter dieser Ausstellung steht der Wunsch, noch unbekannten aber nichtsdestoweniger begabten Künstlern, die sich mit diesem Medium beschäftigen, eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre Arbeiten an der Seite bereits etablierter Videokünstler zeigen können. Um diese Möglichkeit auch in Zukunft über die Ausstellungsdauer hinaus gewährleisten zu können, eröffnen wir mit „screening #1“ auch unsere neuen Projekträume für Videokunst, subzone1 und subzone2.  

Diese Ausstellung zum Saisonstart 2005 der Frankfurter Galerien ist  Auftakt zu einer Serie, mit der wir uns in den kommenden Jahren immer wieder der Videokunst verschreiben und die neuesten Arbeiten junger Künstler der Öffentlichkeit präsentieren werden.



 
 

collectif-fact, Annelore Schneider *1979,  Swann Thommen *1979, Claude Piguet *1977
 

Seit 2001 arbeitet das Genfer Künstlerkollektiv aus Claude Piguet, Annelore Schneider und Swann Thommen unter dem Namen collectif-fact gemeinsam an fragmentierten digitalen Bildwelten urbaner Alltagssituationen. Nicht nur die einzelnen Szenen, sondern auch die Raumsituation innerhalb der Szenen und die Positionierung der dort befindlichen Objekte sind aufgelöst in grafische, zum Teil zweidimensionale Ebenen. In ihrer Überlagerung bilden sie eine befremdliche Dingwelt, in der einzelne Elemente benennbar bleiben, der Zusammenhang aber wie beim Zappen durch die Fernsehsender hinter dem Fluss der Informationen verschwindet.

 
Nathalie Djurberg, 1978 Lysekil, Sweden

Die dunkle Seite des menschlichen Wesens fasziniert Nathalie Djurberg. In ihren farbenfrohen Kurzfilmen, die mit einer penetrant fröhlichen Musik von Hans Berg hinterlegt sind, lässt sie die heiteren Ausgangssituationen, in denen sich ihre Knetmassenprotagonisten befinden, kippen – ins Bedrohliche, ins Groteske, ins Perverse. In der Kombination des kindlichen Mediums Knete mit den nicht annährend so harmlosen Themen Macht, Gewalt, Perversion oder Sadismus gelingt Djurberg ein narrativer Moment, der als Kommentar zum Wesen des Menschen zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit schwankt.

 
Erica Eyres, 1980, Winnipeg, Canada

„Es interessiert mich, wie Menschen in außerordentlichen Situationen und unter Bedrohung mit einer absurden Mischung aus gegensätzlichen Gefühlen reagieren, und ich möchte in den Betrachtern meiner Arbeit eine ähnliche Erfahrung von widersprüchlichen Emotionen wachrufen. Ich kombiniere Konfliktsituationen, um unangenehme Figuren oder Charaktere zu erschaffen, die mit einem Teenager vergleichbar sind, der zwischen Kindheit und Erwachsenwerden gefangen ist. Die Charaktere sollen sowohl Mitgefühl hervorrufen als auch unangenehmes Gelächter hervorrufen.“

 
Sofia Hultén, 1972 Stockholm, Sweden

Sofia Hultén stellt in ihrem Video „Preparations for uncertain doom“ (Vorbereitungen auf ein ungewisses Verhängnis) die Sinnfrage: Eine Frau versiegelt systematisch alle Öffnungen, die ihre Wohnung mit der Außenwelt verbinden – den Kamin mit Kissen, die Fenster mit Möbeln, das Loch unter den Dielen mit einer Bettdecke und die Steckdosen mit Knete. „Es gibt Dinge“, erklärt sie, „die man tut, weil man machtlos gegenüber den wirklichen Problemen ist.“ Ihre Protagonistin trifft ihre Vorkehrungen und fühlt sich genau deshalb sicherer, weil sie die Nutzlosigkeit ihres Tuns ausblendet.

 

Courtesy Gallery Wilson, Copenhagen
Jesper Just, 1974 Copenhagen, Denmark

In Jesper Justs Video “The Lonely Villa” vollführen die Protagonisten eine künstliche musikalische Fantasie von Kommunikation und Einfühlugsvermögen. Just choreographiert überspitzte Gefühlsausbrüche seiner Schauspieler, versucht, die gesellschaftlichen Konventionen männlicher Verhaltensmuster durch die filmische Darstellung ihres Gegenteils offen zu legen, während er in seinen zweideutigen Szenarios mit homoerotischen Spannungen und Vater-Sohn-Beziehungen spielt.

 
Dionisis Kavallieratos, 1979 Athens, Greece

In humorvollen, satirischen Kommentare analysiert, hinterfragt und genießt Dionisis Kavallieratos die maskulinen Archetypen, die von einer hollywoodhörigen Gesellschaft als Tatsache hingenommen werden. In seinem (unbetitelten) Video von 2003 betreibt er eine Art Verhaltensforschung, die Macht- und hierarchische Strukturen in der Interaktion zweier männlicher Protagonisten als striktes Gefüge aus Bewegungs- und Reaktionsmustern offen legt.

 
Alex McQuilkin, 1980 Boston, USA

Selbst erst kürzlich dem Teenager-Dasein entwachsen, richtet McQuilkin ihre Kamera nostalgisch auf sich selbst und die romantisch-bildhafte Mentalität, die mit der Pubertät so eng verwachsen ist. „Die Jugend ist eine Zeit, in der wir uns erlauben, beeinflusst zu werden – in der Rockstars unbeugsame Götter sind. Alles fühlt sich unmittelbar und ungefiltert an, auch wenn es das gar nicht ist.“ sagt die junge Künstlerin. Drastisch aber zugleich auch subtil zeigt McQuilkin, dass sich Realität und Imagination häufiger mischen, als uns bewusst ist. Vor einem Kurt-Cobain-Poster tanzt sich ein Mädchen in Extase, während ein anderes mit blutigen Mullbinden und besudeltem Schmuck um die Handgelenke in einem Vogue-würdigen Selbstmord ihr eigenes Spiegelbild bewundert.

 
Nasan Tur, 1974, Offenbach, Germany

Zumeist an öffentlichen Orten beobachtet Nasan Tur den Menschen und seine Verhaltensmuster und führt auf kritische, aber zugleich auch humorvolle Weise Untersuchungen zu unserer kulturellen und sozialen Identität durch. Skulptur, Fotografie, Videoinstallation und Performance sind die verschiedenen Ausdrucksmittel seiner künstlerischen Arbeit, die mit den etablierten gesellschaftlichen Konventionen und somit auch mit den Erwartungen des Betrachters spielen.

 
Johannes Wende, 1978 Dettelbach/Main, Germany

„Kosmos ist eine Vorstellung der Welt als begreifbarer Raum. Der Fixpunkt bildet eine gedachte Linie mit unserem Auge, alle Bewegung entsteht und wird begriffen in Abhängigkeit von etwas zu dieser Achse, zur als Wahrnemungsaxiom gesetzten Wäscheleine, an die wir nun die Welt hängen können.“ (Wende 2005) In seinem Video „die große Wanderung“ sind Nudeln in ihrer Verpackung zu sehen, die langsam von der einen Seite zur anderen wandern.

 


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