GORDON CHEUNG
 
"WILDERNESS OF MIRRORS"


   


September 6 - Oktober 18, 2008
Vernissage Freitag, 5. September 2008, ab 18 Uhr
Samstag & Sonntag, 6. - 7. September 2008, 11 - 18 Uhr
verlängert bis 22. November 2008
 


Gordon Cheung‘s erste Einzelausstellung in Deutschland findet vom 5. September bis 18. Oktober 2008 in der Galerie ADLER in Frankfurt am Main statt. Sie trägt ihren Titel aufgrund James Jesus Angletons Äußerung „Wilderness of Mirrors“, mit der er die Verwirrung um Doppelagenten und die Spiralen der Spionagearbeit beschrieb. James Jesus Angleton war in den 50er Jahren Chef des Spionageabwehrteams der CIA und viele Kommentatoren glauben, dass Angleton die Phrase aus dem Gedicht 'Gerontion' von T. S. Eliot entnommen hatte, mit dem er befreundet war.

Der Titel der Ausstellung spielt außerdem auf Landschaften und die dunklen Untertöne von Verschwörung und Paranoia an. Cheungs vielschichtige Mischtechnikmalerei spiegelt sein Interesse an Machtstrukturen, Glaubenssystemen und unserer möglichen Abhängigkeit von ihnen wider. Formal betrachtet, verdreht er die Bildfläche zu einem oszillierenden Möbiusband. Der erste Eindruck seiner Gemälde scheint metaphorischer Natur zu sein. Bei näherem Hinsehen hingegen enthüllt sich, dass die Basis all seiner Gemälde die Börsenspalten der Financial Times sind. Diese abstrakten numerischen Listen erzeugen Flächigkeit im Bild, haben dennoch paradoxerweise auch die Bedeutung eines virtuellen Raumes, der die Dimensionen unserer realen und physischen Maßstäbe verändert.

Cheung's Gemälde erfassen die Wahnvorstellungen zwischen den virtuellen und tatsächlichen Wirklichkeiten einer globalisierten Welt, die zwischen Utopie und Dystopia oszilliert. Sprayfarbe, Öl, Acryl, Pastellfarben, Tinte und Börsenkurszettel stoßen in seinen Arbeiten aufeinander, um epische techno-sublime Ansichten zu bilden.

Stets verweist Cheung visuell und konzeptuell auf den Diskurs über moderne Malerei und benutzt hierzu die archetypische visuelle Rhetorik des Modernismus, wie Ebenheit, Rastergitter, Gestus und Materialität. Der Gebrauch verschiedener Techniken und Sprachen unterbricht die Lesbarkeit des Gemäldes absichtlich und ermutigt zu einer Art teleskopischen Dekonstruktion, bei der, wie Cheung sagt, eine Verbindung zu unserem üblichen Blick auf etwas Verborgenes oder zu Entdeckendes. Wenn wir beispielsweise am Telefon sprechen, Emails schreiben oder im Internet nach Informationen surfen, ist es, als bewegten wir uns in einer anderen Dimension. Es ist, als seien wir zeitweise entmaterialisiert und in eine virtuelle Landschaft versetzt.

Cheung begann mit der Verwendung von Börsenkurszetteln im Jahr 1995, als Mobiltelefone und Internet immer einfacher erhältlich wurden. Ihn reizte daran die utopische Euphorie über digitale Grenzen, globale Dörfer, Informationsautobahnen und virtuelle Räume. Die digitale und kommunikative Revolution zwang ihn zu einer künstlerischen Antwort auf diese moderne Dimension. Zeit und Raum stürzten im Nu zusammen und dies verwandelte unsere Wahrnehmung in einen Zustand konstanten Flusses. Die utopische Euphorie währte aber nicht lange, da die technischen Märkte zusammenbrachen und es beim Jahrhundertwechsel 1999/2000 zu einem schweren Softwarefehler kam. Dem folgten die gigantischen Korruptionsskandale um die Unternehmen Enron und Worldcom. Mehr Naturkatastophen als je zuvor begleiteten diese Jahre ebenso, bis schließlich die Anschläge auf die Zwillingstürme zu weltweitem Krieg und Terror führten.

Wenn man darüber nachdenkt was allgegenwärtig, allwissend und allmächtig ist, lässt sich über den Aktienmarkt genauso philosophieren, wie über den Glauben an Gott oder eine andere eventuelle Macht. Cheung hat diese Ideen zusammengefasst und wirft damit bewusst etliche Fragen auf, um uns die megalithische Struktur, in der wir heute leben, vor Augen zu führen.
Für Cheung ist unsere heutige Landschaft eine „Spiegelnde Wildnis“ (Wilderness of Mirrors).