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Gordon Cheung‘s erste Einzelausstellung in Deutschland findet vom 5.
September bis 18. Oktober 2008 in der Galerie ADLER in Frankfurt am Main
statt. Sie trägt ihren Titel aufgrund James Jesus Angletons Äußerung „Wilderness
of Mirrors“, mit der er die Verwirrung um Doppelagenten und die Spiralen
der Spionagearbeit beschrieb. James Jesus Angleton war in den 50er
Jahren Chef des Spionageabwehrteams der CIA und viele Kommentatoren
glauben, dass Angleton die Phrase aus dem Gedicht 'Gerontion' von T. S.
Eliot entnommen hatte, mit dem er befreundet war.
Der Titel der Ausstellung spielt außerdem auf Landschaften und die
dunklen Untertöne von Verschwörung und Paranoia an. Cheungs
vielschichtige Mischtechnikmalerei spiegelt sein Interesse an
Machtstrukturen, Glaubenssystemen und unserer möglichen Abhängigkeit von
ihnen wider. Formal betrachtet, verdreht er die Bildfläche zu einem
oszillierenden Möbiusband. Der erste Eindruck seiner Gemälde scheint
metaphorischer Natur zu sein. Bei näherem Hinsehen hingegen enthüllt
sich, dass die Basis all seiner Gemälde die Börsenspalten der Financial
Times sind. Diese abstrakten numerischen Listen erzeugen Flächigkeit im
Bild, haben dennoch paradoxerweise auch die Bedeutung eines virtuellen
Raumes, der die Dimensionen unserer realen und physischen Maßstäbe
verändert.
Cheung's Gemälde erfassen die Wahnvorstellungen zwischen den virtuellen
und tatsächlichen Wirklichkeiten einer globalisierten Welt, die zwischen
Utopie und Dystopia oszilliert. Sprayfarbe, Öl, Acryl, Pastellfarben,
Tinte und Börsenkurszettel stoßen in seinen Arbeiten aufeinander, um
epische techno-sublime Ansichten zu bilden.
Stets verweist Cheung visuell und konzeptuell auf den Diskurs über
moderne Malerei und benutzt hierzu die archetypische visuelle Rhetorik
des Modernismus, wie Ebenheit, Rastergitter, Gestus und Materialität.
Der Gebrauch verschiedener Techniken und Sprachen unterbricht die
Lesbarkeit des Gemäldes absichtlich und ermutigt zu einer Art
teleskopischen Dekonstruktion, bei der, wie Cheung sagt, eine Verbindung
zu unserem üblichen Blick auf etwas Verborgenes oder zu Entdeckendes.
Wenn wir beispielsweise am Telefon sprechen, Emails schreiben oder im
Internet nach Informationen surfen, ist es, als bewegten wir uns in
einer anderen Dimension. Es ist, als seien wir zeitweise
entmaterialisiert und in eine virtuelle Landschaft versetzt.
Cheung begann mit der Verwendung von Börsenkurszetteln im Jahr 1995, als
Mobiltelefone und Internet immer einfacher erhältlich wurden. Ihn reizte
daran die utopische Euphorie über digitale Grenzen, globale Dörfer,
Informationsautobahnen und virtuelle Räume. Die digitale und
kommunikative Revolution zwang ihn zu einer künstlerischen Antwort auf
diese moderne Dimension. Zeit und Raum stürzten im Nu zusammen und dies
verwandelte unsere Wahrnehmung in einen Zustand konstanten Flusses. Die
utopische Euphorie währte aber nicht lange, da die technischen Märkte
zusammenbrachen und es beim Jahrhundertwechsel 1999/2000 zu einem
schweren Softwarefehler kam. Dem folgten die gigantischen
Korruptionsskandale um die Unternehmen Enron und Worldcom. Mehr
Naturkatastophen als je zuvor begleiteten diese Jahre ebenso, bis
schließlich die Anschläge auf die Zwillingstürme zu weltweitem Krieg und
Terror führten.
Wenn man darüber nachdenkt was allgegenwärtig, allwissend und allmächtig
ist, lässt sich über den Aktienmarkt genauso philosophieren, wie über
den Glauben an Gott oder eine andere eventuelle Macht. Cheung hat diese
Ideen zusammengefasst und wirft damit bewusst etliche Fragen auf, um uns
die megalithische Struktur, in der wir heute leben, vor Augen zu führen.
Für Cheung ist unsere heutige Landschaft eine „Spiegelnde Wildnis“ (Wilderness
of Mirrors).
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