PETER FEILER
Gruppenausstellung Peter Feiler

VERNISSAGE
Donnerstag, 5. November 2009, 19 Uhr

ADLER - FRANKFURT AM MAIN
6. NOVEMBER 2009 – 9. Januar 2010

 

Wir alle haben mit inneren Widersprüchen zu kämpfen – dies gilt auch für Peter Feiler (*1981, Halle an der Saale) und dies zeigt er in seiner dritten Einzelausstellung mit dem Titel “Gruppenausstellung Peter Feiler” auf eine ganz besondere Weise. Seine Arbeiten bewegen sich meist auf der Grenze zwischen Witz und Horror, doch diesmal zeigt der Künstler nicht ausschließlich Arbeiten, die sich mit dem zentralen Thema der Abgründe des menschlichen Seins beschäftigen. Peter Feiler bannt seine kritische Sicht auf die Gesellschaft mit Schärfe, Kompromisslosigkeit und verschiedenen Techniken auf Papier und Leinwand. Dabei legt er besonderen Wert auf die surreale Montage konkreter gesellschaftlicher Inhalte und der damit in Verbindung stehenden politischen Persönlichkeiten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die 450 x 390 cm große Papierarbeit “Das Narrenschiff im Terrorstrom”, die unsere  Gesellschaft als ein dem Untergang geweihtes Schiff darstellt. Von Politikern, Managern und Bankern bevölkert, stürzt es unwiederbringlich auf einen Abgrund zu. Menschlicher Abschaum verwandelt sich dort währenddessen in einen Rattenstrom, der durch transparente Schläuche das Heil in der Flucht nach oben und in die Gunst der Politiker sucht. Parallel dazu illustriert Feiler die negativen, manischen Aspekte eines zum Industrieprodukt degradierten Geschlechtsakts und der Verwandlung des Menschen in einen willenlosen Irren. Es wimmelt überall von nackten Leibern, offenen Wunden, von zugleich abstoßenden und faszinierenden Details, von Gier, Geilheit, Selbstverletzung und der psychotischen Lust an Schmerz und Zerstörung – ein Porträt der Schattenseiten der menschlichen Seele und der Abgründe unserer Gesellschaft.

Durch das ungewöhnliche Medium Buntstift relativiert Peter Feiler seine Grotesken mit einer pastellartigen Farbigkeit und somit einer fast unschuldig-kindlichen Patina, die in starkem Kontrast zu den oft pornografischen Posen mancher seiner Protagonisten steht. Der Betrachter wird von der teils sanften Farbgebung und der filigranen Ausführung der übergroßen Blätter in den Bann ihres Detailreichtums gezogen, nur um dann mit der vollen Brutalität der schwärzesten Seite der menschlichen Seele konfrontiert zu werden.

Das epische Ausmaß der Erzählweise führt zu einem verwirrenden Geflecht unterschiedlichster Zusammenhänge und Bruchstücke. Feiler bietet keine konkrete Leserichtung an und zwingt den Betrachter, sich auf die Komplexität, die Verknotungen und grotesken Details einzulassen.

Die Besonderheit dieser Ausstellung liegt darin, dass dieses Geflecht auch auf weitere Arbeiten übergreift und zu einer mehrfachen Verstrickung des Betrachters führt. Er muss sich zwischen detailreichen Zeichnungen, plakativen Eddingarbeiten und einer fotorealistischen oder zunächst romantisch anmutenden Malerei zurechtfinden. Die Fülle der Themen reicht von orgiastischen Szenarien über außenpolitische Geschehnisse unserer Gegenwart bis hin zu gattungskritischen Ansätzen. Wenn Feiler nämlich einen Zeitungsausschnitt über die großzügige Bildspende Gerhard Richters in fotorealistischer Manier wiedergibt, dann ist dies sicherlich nicht nur als Kritik an den terroristischen Machenschaften des 11. September, sondern auch an der intellektualisierten Egomanie einzelner Künstler zu verstehen.

Die Arbeit “Optionen” hingegen spricht den Betrachter zunächst auf eine seltsame Art und Weise an, lässt ihn sich dann wiederum ungläubig abwenden. Peter Feiler zeigt hier eine weitere Facette seines Werkes indem er aus dem 1840 entstandenen Gemälde “Jesus mit seinen Jüngern” von Ferdinand Olivier, einem wichtigen Vertreter der Nazarener, den rechten Bildausschnitt herausgreift und anhand des scheinbar harmlosen Landschaftsausschnitts ein fast psychedelisches Beklemmungsgefühl beim Betrachter auslöst.

Um Grauen zu erzeugen, ist die eigentliche Darstellung des Grauens also gar nicht unbedingt nötig, doch die vermittelten Gefühle des Schreckens und der Fassungslosigkeit sind es, die alle Arbeiten der „Gruppenausstellung“ um Peter Feiler miteinander verbinden.



Peter Feiler

Mankind - Nature - Technology

Zeichnung, Malerei

 

 
15. Februar - 7. April 2007
Eröffnung am Donnerstag, 15. Februar 2007, von 18 bis 21 Uhr
 
 

Galerie Adler New York is pleased to announce the solo exhibition of new works by the young German artist Peter Feiler. The presentation will include pencil, crayon and ink drawings and paintings.

Peter Feiler focuses on nothing less than the downfall of mankind. The inclination to experiment and the many layers revealed in his works open them to many interpretations that do have one conclusion in common: the rottenness of men will eventually lead them into their own doom. The plethora of miscellaneous subjects, ranging from elaborate new universes to the depiction of orgiastic self destruction and on to a casual criticism of today’s highly intellectualized egomania which he raises like a whirlwind in his pictures, all centre on the main theme: the abysses in human existence.

Under the spell of rich details and bright colors, the spectator is lulled into a false sense of security only to then be hit by the full extent of the brutality of the human soul’s very darkest side. Peter Feiler’s grotesqueries cover the precarious subject of “what men can do to each other“ (Peter Feiler), with a childishly innocent patina standing in harsh contrast to repelling and nevertheless fascinating details. His protagonists’ salacious, almost pornographic poses, scenes of abuse, rape, torture, adultery, are merely alluded at times, at times pointed out in blatant explicitness. “I am not a missionary”, Peter Feiler says, “I don’t want to change people. But maybe I can make them discover something good with their repulsion of my provocations.”

Peter Feiler (*1981, Halle an der Saale, Germany) lives and works in Berlin. Since 2002 he studies at the Academy of Fine Arts Berlin under Prof. Wolfgang Petrick and Daniel Richter. This will be his first one-person exhibition at Galerie Adler in New York and in the United States in general.


 
 
 
 



Peter Feiler

Karzinome

Zeichnung, Malerei

9. September - 14. Oktober 2006
Eröffnung am Freitag, 8. September 2006 ab 18 Uhr

 

Lakonisch und unbewegt sitzt ein Mann, die Bierdose in der Hand, ein aufgeschlagenes Buch auf den Beinen auf der Bank einer Bahn, die an fleischfarbenem Rauch spuckenden Industriegebäuden vorüber fährt. In seinem offenen Hemd liegen seine Eingeweide brach; Kopf und Gesicht sind nur Sehnen und Knochen, aus denen glanzlose Augen in Nichts starren als hätte man die Haut, den Schutz gegen die Außenwelt abgezogen und festgestellt, dass sich nichts Geheimnisvolles hinter der äußeren Hülle verbirgt, kein Funke, keine Leidenschaft, nur sich in der Leere auflösende, dumpfe Einsamkeit, abgeschottet von dem Geschehen um ihn herum: eine zweite, weibliche Figur, nackt bis auf noch weniger als die bloße Haut, Arme und Beine in Schmerzen verkrümmt scheint sich in Agonie aufzulösen, während nackte Kinder wie Kobolde durch das Bildfeld tanzen…

Eine Szene, die direkt in die Monotonie des Alltäglichen, in den freudlosen Alltagstrott der scheinbar immer gleichen Irgendjemande in einer inventarisierten Umgebung blickt und deren Innerstes im wahrsten Sinne nach Außen kehrt: Es offenbart sich ein Blick auf eine verheerende Gefühlswelt der Protagonisten in der weiten Spanne zwischen völliger Resignation, Sinnsuche und einem fast existentialistischen Weltschmerz (S-Bahn-Szene, 2002).

Zum ersten Mal in Frankfurt präsentieren wir die Arbeiten des jungen in Berlin lebenden Künstlers in einer Einzelausstellung, zu der wir Sie hiermit herzlich einladen möchten. Die Experimentierfreudigkeit und Vielseitigkeit, die in den Arbeiten Peter Feilers (*1981, Halle an der Saale) zum Vorschein kommen, machen seine Arbeiten schwer greifbar. Doch die Fülle von Themen, von orgiastischen über ganze Weltsysteme bis hin zu einer beiläufigen Kritik der hoch intellektualisierten Egomanie der Gegenwart (das Paradoxon einer individualisierten Gesellschaft, 2001), die er wie in einem Wirbel in seinen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Bildern behandelt, drehen sich um das zentrale Thema der Abgründe des menschlichen Seins.

Durch das ungewöhnliche Medium Buntstift relativiert Peter Feiler seine Groteskerien mit einer pastellartigen Farbigkeit und gibt dem brisanten Topos dessen, „was der Mensch dem Menschen antun kann“ (Peter Feiler) eine unschuldig-kindliche Patina, die in starkem Kontrast zu den anzüglichen, fast pornografischen Posen mancher seiner Protagonisten steht:
In der „Reifeprüfung“ (2002) verbirgt sich eine latente Aggressivität in Gestus und Mimik der Protagonisten hinter der sanften Farbgebung und filigranen Ausführung der übergroßen Blätter der giftigen Dieffenbachia und zieht den Betrachter in den Bann ihres Detailreichtums, nur um ihn derart in falscher Sicherheit wiegend mit der vollen Brutalität der schwärzesten Seite der menschlichen Seele zu konfrontieren: Missbrauch, Vergewaltigung, Folter, Kinderschändung, die Peter Feiler mal nur angedeutet, mal in krasser Bildlichkeit vor Augen führt. „Ich bin kein Missionar“, sagt Feiler über sich selbst, „Ich will die Menschen nicht ändern. Aber vielleicht kann ich sie dazu bringen, dass sie durch die Auflehnung gegen die Provokation etwas Gutes entdecken.“

„Sex hat sehr ambivalente Konnotationen“ erklärt Feiler, und so konzentrieren sich seine orgiastischen Federzeichnungen vor Allem auf die negativen, manischen Aspekte eines zum Industrieprodukt degradierten Geschlechtsakts. Es wimmelt von nackten Leibern, offenen Wunden, von zugleich abstoßenden und faszinierenden Details, von Gier, Geilheit, Selbstverletzung und der psychotischen Lust an Schmerz und Zerstörung – ein Porträt der Schattenseiten der menschlichen Seele (Feier, 2003), deren Konsequenzen er in der Zeichnung „Der letzte Mensch“ (2002) vorschlägt: Mit glänzenden schwarzen Augen lauert eine Spinne dem alten, gebrochenen Mann auf, hinter dem ein Knochenmann – sein Alter Ego? Die Hybris selbst? – sich vor der kolossalen Architektur im Hintergrund aufbäumt.

Das epische Ausmaß seiner offenen Erzählweise, die sich aus einzelnen Fragmenten und Bruchstücken zu einem verwirrenden Geflecht unterschiedlichster Zusammenhänge spinnt, lässt ein Weltengemälde entstehen, in dessen Figurengewimmel Menschen mit gigantischen Insektenlarven kämpfen, bierbäuchige Reiter über die Dächer einer unwahrscheinlichen, einer unmöglichen Stadt galoppieren und sich kopfüber fast wie ein Mond eine alternative Welt ins Bild schiebt. Die Grenzen zwischen Spaß und Horror zerfließen. Bruchstückhaft aufflackernde Szenen greifen ineinander, wirbeln in ein Blitzlichtgewitter widersprüchlicher Assoziationsketten: Peter Feiler spielt das Sichtbare gegen das Bemerkbare aus (Hüpf, Hopf, 2003). Er bietet keine Lesrichtung an, er verzichtet auf den roten Faden und zwingt den Betrachter, sich auf die Komplexität, die Verknotungen und humorvollen Details eines selbstreferentiellen Systems einzulassen und eine eigene Geschichte daraus zu formen.